Nur reden reicht nicht!

posted by Marion

2021 hat sichs ausgeredet. Haltung zeigen ist mehr denn je gefragt. Das gilt auch und gerade für Unternehmer*innen. Nicht nur junge Konsumierende prüfen und hinterfragen Marken auf ihre gesellschaftspolitische Haltung; es sind die gemeinsamen Werte, die tragfähige Beziehungen zu Kund:innen festigen. Werte wie Fairness, Gleichberechtigung, Diversität, Inklusion. Die auch für und in der (Marken)kommunikation essentiell sind. Ob in Texten oder Bildern. Es geht um faires Kommunizieren und Gestalten.

Die Macht der Sprache

Sprache schafft Wirklichkeit, verkündet Botschaften, transportiert  Ansichten. Wie wir sprechen zeigt, mit welcher Haltung wir uns in der Welt bewegen bzw. welche Welt wir fördern.
Was heißt fair und gerecht formulieren? In aller Kürze: Eine Sprache zu wählen, die nicht benachteiligt, diskriminiert oder ausschließt. Jemanden oder ganze Gruppen „mitzumeinen“ ist 2021 einfach nicht mehr zeitgemäß. Sorry! Auch wenn sich das Schreiben so vielleicht etwas mühsamer anfühlt, Wörter komisch daherkommen, Unklarheit darüber besteht, wie man „richtig gendert“ … wer sich hier eindeutig positioniert, setzt ein klares Zeichen gegen strukturelle Benachteiligung.

Wie wir sprechen zeigt, mit welcher Haltung wir uns in der Welt bewegen.

Fair formulieren

„Menschen, die gemeint sind, explizit ansprechen“, das ist der Kern gendersensibler Kommunikation. Die EINE gendersensible Sprache gibt es nicht; da helfen alle Ratgeber und Broschüren nichts. Im Zweifelsfall heißt es, kreative Spielräume nutzen und individuelle Wege finden. Im deutschsprachigen Raum hat sich aktuell der Genderstern etabliert; gefolgt vom Unterstrich, Doppelpunkt und anderen Zeichen.
Wir nutzen Stern und Doppelpunkt; beide haben ihre Vor- und Nachteile. Hier gibts mehr dazu.

Websites können gender- und suchmaschinen-optimiert gestaltet werden.

Ist Gendern SEO-tauglich? Und wie barrierefrei ist Gendern?

Suchmaschinen-Algorithmen spiegeln unser Suchverhalten wider. Sie sind nicht per se genderfeindlich und diskriminierend, aber gesellschaftliche Ungleichheiten schreiben sich ein. Fakt ist, dass es einen enormen Gender Bias gibt und dass „das Männliche“ (z.B. bei der Suche nach Berufsbezeichnungen) vorherrscht. Daher zugunsten guter Suchergebnisse aufs Gendern verzichten? Mitnichten! Realitäten ändern sich, wenn wir auch den Suchmaschinen gendersensibles SEO beibringen.

Für blinde und sehbehinderte Menschen ist das Gendern durch Satz- und Sonderzeichen mehrfach problematisch. Hilfreich wäre eine verbindliche Form des Genderns; davon sind wir aber leider (noch) weit entfernt. Eine Empfehlung lautet, mehr auf neutrale Formulierungen zu setzen.

Hilfreiche Links

Die 2015 ins Leben gerufene private Initiative „geschickt gendern“ erlaubt die konkrete Suche nach Wörtern.

Auf genderleicht.de gibt’s Tipps und Tools von Journalist*innen, wie man diskriminierungsfrei schreibt und spricht.

Gendergerecht schreiben in sieben Schritten.

Der BdKom (Bundesverband der Kommunikatoren e. V.) hat kürzlich ein umfangreiches und hilfreiches Kompendium „Gendersensible Sprache“ veröffentlicht.
Hier zum Downloaden.

Fair gestalten

Warum ist das Piktogramm für „Arzt“ fast immer männlich, jenes für „Pfleger:in“ fast immer eine Frau?Fairness, Inklusion und Gender-Sensibilität sind auch in der Gestaltung gefragt. Warum? Weil wir Bildern sofort eine Bedeutung zumessen, noch schneller, als dem geschriebenen Wort. Im Designprozess wird über Vieles entschieden: Über Farbe, Form, Richtlinien und Machbarkeit. Dabei sind auch individuelle Vorstellungen und Wünsche zu berücksichtigen. Ausgetretene Pfade zu verlassen und Gestaltungsklischees zu hinterfragen ist nicht nur inspirierend, sondern zeigt auch Haltung. Mehr zu diesem spannenden Thema gibts demnächst.

Mit Design „gestalten“ wir die Zukunft mit, in der wir leben wollen. 

Piktogramme aus der Design-Initiative „Redefining Women“ von The Noun Project.